Malatelier im Kindergarten

«Inetunke, abstreiffe, mole…» murmelt ein Kind vor sich hin. Ein anderes ruft «Wasserfall!» und jemand «Nagel». Ein Kind fährt mit dem Pinsel verschlungene Wege übers Papier… Weiter hört man «Do hesch schöni Farbe gno!» oder «Das blau gfallt mer guet».

 

Die Kinder des 2. Kindergartenjahres sind im Malatelier: Der Raum ist klein, die Wände sind bereits ganz bunt von Generationen von Kindern die hier schon gemalt haben. In der Mitte des Zimmers befindet sich die «Malerpalette» mit den leuchtenden Gouachefarben.

Hier malen 10 Kinder frei nach Lust und Laune, was sie möchten, was ihnen gerade einfällt, Erlebtes, Erdachtes, Gefühltes oder sie probieren sich mit Farbe und Form aus. Das Papier ist ein weisser Spielplatz und lädt zum Experimentieren ein.

Die Kinder entscheiden, wie sie das Papier vor sich haben möchten: Hoch- oder Querformat, ob sie im Stehen oder auf dem Schemel im Sitzen malen möchten. Gleich tauchen sie ein in die Farbenwelt: Die Malschürzen rascheln leise und es herrscht eine konzentrierte Atmosphäre…

 

Vor über 60 Jahren hat Arno Stern nahe Paris den ersten Malort für gross und klein eröffnet. Die Einladung an alle: Sich ins spontane lustvolle «Tun» zu vertiefen und während des Malens das Innerste frei von Bewertungen und Interpretationen ausleben zu können. Mit der Zeit entdeckte er 70 «Erstfiguren»: Universell malten Kinder verschiedenster Kulturen die gleichen Figuren. Wie zum Beispiel die Sonne, die Leiter oder das Haus. Nach Arno Stern haben solche «Erstfiguren» für Kinder noch nicht eine reale gegenständliche Bedeutung, sondern sind in den frühen Lebensjahren ein Ausdruck der Empfindungen und des Gefühls.

Er entdeckte die „Ausdruckssemiologie“. Diese ist ein neuer Forschungsbereich, welcher sich mit bisher unbeachteten Vorgängen befasst. Es handelt sich dabei um eine nie zuvor angewandte Betrachtungsweise der Spur, die jegliche Deutung ausschließt. Nicht der Inhalt soll erkannt werden – nicht die Motivation, die zur Äußerung veranlasst -, sondern die Art und Weise ihres Geschehens. Eine nicht der Vermittlung dienliche Spur wurde zuvor nirgends gefördert. Sie konnte auch erst am spurfreundlichen Malort entstehen und untersucht werden. Sie kann nicht zufällig geschehen, sondern bei einer fortdauernden Praxis und in einer anregenden Atmosphäre (https://arnostern.com 26.05.2026).

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